Für unsere Talentschüler aus der siebten Klassen ging es – kaum dass sie mit dem Tschechischunterricht begonnen haben – nach Marienbad zu einem ersten Kennenlernen. Bei traumhaftem Wetter zeigte sich die Kurstadt in goldenen Herbstfarben von der besten Seite. Frau Burcsak führte die Jugendlichen in die Geschichte der Stadt ein, beginnend mit den Mönchen im Kloster Tepel und endend mit der samtenen Revolution und der Jetztzeit. Berühmt war Marienbad wegen seiner Heilquellen geworden, die auch zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe, Richard Wagner, König Edward VII von England und Kaiser Ferdinand nach Marienbad gelockt haben. Unsere Schülerinnen und Schüler waren noch am ehesten von der Karolinenquelle überzeugt, andere Quellen konnten keine Begeisterung wecken. Das ist auch gut so, schließlich haben diese gelegentlich auch die Wirkung von Glaubersalz.
Um 1900 hatte die Stadt rund 5000 Einwohner – und wurde von 25000 Kurgästen jährlich besucht. Heute sind ca. 40 Heilquellen zugänglich, weitere 100 gibt es in der Stadt.
Interessanterweise gibt es in der Stadt Gotteshäuser für katholische, evangelische, anglikanische und russisch-orthodoxe Gläubige. An die Führung schloss sich die Verkostung einer Karlsbader Oblate an – und ein Mittagessen mit typisch tschechischen Gerichten, die den Jugendlichen sichtlich mundeten.
Die Besichtigung des Metternich-Schlosses bildete den krönenden Abschluss der Fahrt. Auf die Frage eines Schülers, was das Highlight des Schlosses sei, konnte keine konkrete Antwort gefunden werden, da es zu viele historisch bedeutsame und kuriose Gegenstände birgt. Neben dem Tisch, an dem die Papiere des Wiener Kongresses unterzeichnet wurden, kann man (willkürliche Auswahl)
– Steinintarsienbilder,
– ein Gobelinportrait von Napoleon,
– Sarkophage und die darin einst versteckten Beigaben (die dereinst ein diplomatisches Geschenk waren),
– Haarlocken von Napoleon und Beethoven,
– sensationelle vergoldete Tischaufsätze,
– die Waschschüssel Napoleons,
– eine falsche Tür in der Bibliothek (welche übrigens ein Kinderschwimmbuch beherbergt)
und vieles, vieles mehr bewundern.
Am Ende des Rundgangs wurden die Jugendlichen an das Wandbild erinnert, das sich in arabischer Schrift an einer Wand des Schlosses befindet: Alles ist vergänglich – so war auch das Ende der Führung erreicht.
Die erste Begegnung mit den tschechischen Nachbarn war ein Erfolg, weitere Exkursionen werden folgen. Vielen Dank an das Kultusministerium, das Kontakte mit unseren tschechischen Partnern ermöglicht und finanziell unterstützt. In wenigen Wochen werden wir unsere Partnerschüler direkt an der Partnerschule in Stříbro besuchen.